Große Pause – Folge 2: Bitte recht festlich

Wieder zurück in Bukoba, der 4. Advent gerade vorbei, wartete eine wilde Mischung aus Projekten, Weihnachts- und erneuten Reisevorbereitungen auf uns. Meret aus Jinja (Uganda) hat uns mit nach Bukoba begleitet und am Donnerstag sollten noch 3 Ruandakollegen dazustoßen. Heilig Abend dann am Samstag und Sonntag um 6 planmäßige Abfahrt Richtung Zanzibar. Sieht stressig aus, war dann aber alles im Bereich des Machbaren.

Wir sind die Woche über erstmal ein bisschen in unseren Projekten gewesen, haben im Tumaini Center zusammen mit Freiwilligenkollegen von VEM ein bisschen weihnachtsgebastelt und Sport gemacht, waren an der Mseto nochmal ein bisschen quatschen, rumalbern und malen, hatten alles in allem eine echt nette Woche. An beiden Schulen sind einige Schüler über die Ferien nach Hause gefahren, an der Mseto sind fast nur die Kinder mit Albinismus in der Schule geblieben.

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Am Freitag haben wir unseren VEM-Kollegen bei der Vorbereitung einer Weihnachtsschnitzeljagd an der Tumaini geholfen und dann nachmittags mit konkreten Weihnachtsvorbereitungen angefangen, Wichtelgeschenke aufgetrieben, Weihnachtsbaum „gefällt“ und geschmückt, mehr Gaskocher organisiert, Sambusa und Chapati bestellt um uns am nächsten Tag nicht zu überlasten. Und gepackt werden für unseren zweiten Reiseabschnitt musste ja auch noch.

Am Heilig Morgen ging dann das große Kochen los, Gemüse musste geschnitten, alles Mögliche abgeholt, die Bohnen gekocht werden. Bis zum Abend haben wir dann ein Büffet zusammengestellt, Chili con Carne, Sambusa, Chapati, Rolex (rolled eggs), Reis, Milchreis, Brot, Bananenbrot. 14 geladene Gäste sollten es sein, eingeladen wurde gegen halb 7, aber wie das hier so ist, hat dann doch alles minimal länger gedauert, gegen acht waren dann die ersten Gäste ausserhalb von denen da, die so oder so vorher schon in unserem Haus waren. Am Ende des Abends bestand die Festgemeinde dann aus den 3 Jungs aus dem Strassenkinderprojekt plus ein kleiner ungeladener Gast, Khamis, unser Freund Elia, 4 Ruandern, Meret, Hannah und Johanna vom Roten Kreuz, sowie Til und Aline. Und uns 4 Tansania-ASClern natürlich.

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Nach dem Essen, wenig überraschend in zu großen Mengen vorhanden, bei brennender Weihnachtsbaumlichterkette und Weihnachtsliederyoutubeplaylist ist dann trotz 27 Grad ein bisschen Weihnachtsstimmung aufgekommen. Die Weihnachtsgeschichte wurde auf Kiswahili und Deutsch gelesen, ein paar Weihnachtslieder gesungen und dann Geschenke verteilt und ausgepackt. Alles in allem wars schön und erstaunlich weihnachtlich.
Dann haben wir die Jungs nach Hause gefahren, noch einen Glühwein gemacht, wo es ja so kalt war und das Nötigste aufgeräumt. Später als geplant ging es schlafen, wir mussten ja um 4:30 Uhr schon wieder aus den Federn um unseren Bus nach Singida zu bekommen.

Große Pause – Folge 1: Ein Land mit Rundungen

Tansania, oder zumindest das Tansania, das ich bis jetzt gesehen habe, ist ein unglaublich weites, gewaltiges Land. Langestreckte Hügel münden in weiten Ebenen, dazwischen wenige, oft einwandfreie, aber oft auch eher mittelmäßige Straßen die sich ihren weiten Weg zur nächsten größeren Stadt suchen. Allein von Bukoba nach Mwanza, die am nächsten liegende tansanische Großstadt braucht man mit dem Bus gut 10 Stunden.

Wir waren am Anfang unserer großen Ferien in Ruanda. Und Ruanda ist anders. Ruanda ist kein weites Land, nicht sonderlich groß, keine Ebenen, nur Hügel. Ruanda besteht eigentlich nur aus grünen Hügeln und kleinen Tälern. Die Straßen sind in Topverfassung, und es ist wesentlich sauberer als in Bukoba. Regelmäßig sieht man Putzkolonnen durch die Straßen ziehen, in Kigali droht eine Geldstrafe, wenn man auf Grünflächen tritt, Plastiktüten sind verboten, schon an der Grenze wird das Gepäck durchsucht. In Ruanda gibt es eine andere Sprache, Kinyarwanda, die Pikis sehen anders aus, es gibt kaum Dallas, und mehr mittelgroße Busse als Reisebusse.

Wir sind zuerst nach Kigali gefahren, nach knapp 13 Stunden Reise bei unseren Mitfreiwilligen in der Hauptstadt angekommen, haben etwas gegessen und sind ins Bett gefallen. In den folgenden 4 Tagen haben wir Kigali ein wenig unsicher gemacht, sind auf den Mount Kigali gestiegen, nur um oben vom Regen überrascht zu werden, waren Essen, sind durch die Stadt gelaufen, ja, sogar ins Kino hat es uns getrieben. Wir waren auf einem von der FIFA gesponserten Kunstrasenplatz von einem Projekt unserer Mitfreiwiligen Fussball schauen bzw. spielen. Und wir waren im Genocide Memorial Museum. Die Narben des Genozids von 1994 sind noch frisch, ein Großteil der Bevölkerung heute war damals auf irgendeine Weise involviert. Das Ruanda von heute wirkt so geordnet, so sauber, das es schwer zu glauben ist, was für grausame Dinge hier vor gut 2 Jahrzehnten geschehen sind.

Am Ende unserer 4 Tage in Kigali haben wir uns von unseren Gastgebern und ihren Babykatzen, die seit einiger Zeit ihr Haus mitbewohnen verabschiedet und sind frühmorgens in den Bus nach Kibuye gestiegen, eine Stadt am Ufer des Lake Kivu, der uns im Vorfeld unserer Reise von verschiedenen Seiten ans Herz gelegt wurde.
Wir sind in einem Hotel mit traumhaften Blick auf den See im Schlafsaal untergekommen und haben den ersten Abend mit Fotos machen und Ausblick sowie exzellentes ruandisches Bier geniessen verbracht.

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Blick aus unserer Unterkunft

Den nächsten Tag haben wir wie es sein sollte mit Frühstück begonnen, und sind dann 15 Minuten, wie mit einem der Besitzer abgemacht zur Ablegestelle verschiedener kleiner Boote gelaufen. Mit seinem Boot sind wir dann auf den See rausgefahren, das Ziel zwei kleine Inseln, eine als Affen-, eine als Fledermausinsel angekündigt.
Bei den Affen auf der Affeninsel handelte es sich um genau zwei Affen, ein Männchen, ein Weibchen, irgendwann ausgesiedelt und jetzt dauerhaft von Touris gefüttert und dementsprechend an Menschen gewöhnt. Die Fledermäuse, oder Flughunde, sicher bin ich mir da nicht, waren allerdings definitiv mehr als 2, eher ein paar hunderttausend. Wir sind einen steilen Hang hochgekraxelt, haben Stellung bezogen und unser Guide hat dann, wenig rücksichtsvoll den Tieren gegenüber, an ein paar Bäumen gewackelt und eine mehrere Minuten anhaltende Flut von Flughunden über unsere Köpfe gejagt. Moralisch fargwürdig wars, aber es sah auch toll aus.

P1010842.JPGDann sind wir wieder runtergestiegen, haben uns bei den 3 Kühen verabschiedet die die Insel auch noch bewohnen und haben uns für die Rückfahrt wieder in unser Boot gesetzt. Gemächlich sind wir dann zurückgetuckert, haben noch einen Blick in den Congo geworfen und dann wieder angelegt.
Mittags sind dann noch ein deutscher Freund unserer Frewilligen aus Kigali und zwei Uganda-ASCler dazugestoßen und wir haben unseren letzten Abend am Kivusee bei schönem Blick und leckerem wenn auch zeitlich lustig serviertem, lange auf sich warten lassendem Essen ausklingen lassen.

Am folgenden Tag ging es dann zurück nach Kigali. Wir sind noch ein zweites Mal ins Kino, den neuen Star Wars wollten wir uns nicht entgehen lassen, waren nochmal fett essen und sind dann in die Betten um am nächsten Morgen unseren Bus bis zur tansanischen Grenze nicht zu verpassen.

Ruanda war wunderschön grün, hügelig und interessant anders, aber ich habe mich auch wieder ziemlich auf Bukoba gefreut.

Zwei ganz unterschiedliche Projekte

Nach den zwei Wochen Ferien auf Rubondo, in Mwanza und Bukoba hat der Alltag wieder seine Arme um uns geschlossen, und wir arbeiten, wie schon im letzten Beitrag erwähnt nicht mehr nur bei Tumaini sondern jetzt auch an der Mugeza Mseto.

Montag und Mittwochs sind wir vormittags an der Mseto, zusätzlich Montag und Donnerstag nachmittags. Die Arbeit gestaltet sich etwas anders als an der Tumaini, wir stehen meistens alleine vor riesigen Klassen, zwar helfen uns die Lehrer hier und da, aber insgesamt war es zumindest für die erste Zeit relativ schwierig, unser Swahili ist noch nicht am Zenit angekommen und auch damit, die Kinder für zwei Stunden ruhig zu halten, hatten wir erstmal ganz schön zu tun. Die Kinder sind ruhiger als an der Tumaini, aber dafür halt 10 mal so viele. Wir unterrichten Mathe und Englisch für insgesamt 3 Klassen und auch wenn unser Unterricht noch nicht ganz reibungslos abläuft, vielleicht auch produktiver sein könnte, ist er immer noch besser, als wenn die Kinder in der Zeit ohne Lehrer herumsitzen, was schon ab und zu vorkommt, weil die Lehrer gerade in anderen Klassen oder mit korrigieren beschäftigt sind, was bei 100 Arbeitsheften schon mal eine Weile dauern kann. Wir geben also ein, zwei Stunden Unterricht, sammeln die Hefte ein und korrigieren die nächsten 45 Minuten. Um 10 gibt’s Tee und Nüsse, dann nochmal ein bisschen Unterric

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PC-Unterricht an der Mseto

ht und dann sind wir für den Vormittag fertig.

Vormittags mag es noch Problemchen geben, aber nachmittags ist die Arbeit an der Mugeza echt nett, montags geben wir Computerunterricht, ansonsten machen wir Sport mit den Internatskindern, Fußball oder Staffelspiele zum Beispiel, reden oder lassen uns Swahili beibringen. Sport ist trotz der Einschränkungen, was das Laufen oder Sehen angeht, gar kein Problem, alle die wollen spielen mit. Die Kinder sind wirklich herzallerliebst und was im Unterricht kaum möglich ist, nämlich einzelne Kinder besser kennenlernen, funktioniert nachmittags wesentlich besser.

An der Tumaini kennen wir die Kinder mittlerweile echt gut, und kommen dementsprechend auch gut zurecht. Was mich am Anfang noch hilflos dastehen lassen oder zur Weissglut gebracht hat, schafft ebendas nicht mehr, dabei helfen bessere Sprachkenntnisse und die einfache Tatsache, dass wir jetzt die Kinder und die Kinder uns kennen. Klar hören sie nicht zwingend auf einen, wenn man das gerne hätte, aber ich habe gelernt damit umzugehen und teilweise Wege gefunden mich trotzdem durchzusetzen. Gerade Freitags oder halt immer wenn es auf das Ende des Schultags zugeht, werden die Kinder immer unruhiger und es ist manchmal schwer noch Unterricht zu machen. An manchen Tagen funktioniert es kurz vor 1 noch, an manchen eben nicht. Mal kommt ein Kind vom Klogang nicht zurück, Hefte und Stifte werden geklaut oder Schläge ausgeteilt. Die Arbeit in der Schule macht aber wirklich Spaß, ich habe gelernt, die kleinen Ungereimtheiten mit hochgezogener Augenbraue zu betrachten und mich nicht davon ablenken zu lassen, dass die Kinder alle wirklich nett, lustig, auf ihre Weise clever sind und unsere Geduld verdient haben.

Der Vorteil an der Tumaini ist, dass wir in Elia und Andrew immer mindestens einen Lehrer im gleichen Raum haben. Wir unterrichten immer noch Englisch und Mathe für Klasse 2, sprachlich funktioniert das jetzt schon viel besser und die Kinder machen Fortschritte, mit Hilfe von Linda, einer anderen Freiwilligen, die jetzt auch an der Tumaini arbeitet, haben zum Beispiel die zwei Mädchen, die vor 2 Monaten nicht 1+1 rechnen konnten, gelernt mit Flaschendeckeln auch im niedrigen zweistelligen Bereich zu rechnen.

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Schwedischer Besuch an der Tumaini

Mittwochs gehen wir nachmittags zum Tumaini Center, wo die meisten der Kinder wohnen und machen zusammen mit Elia Fußballtraining. Im Center sind die Kinder wesentlich ruhiger als in der Schule, das mag an der Lage liegen, etwas abgelegen an einem bewaldeten Hang, es ist ruhig, keine Verkehrsgeräusche sind zu hören. Außerdem haben die Kinder hier in der Regel aktiv was zu tun, irgendwelche Arbeiten auf dem Gelände, fegen, pflanzen, die Schweine behüten, und müssen nicht 5 Stunden im Klassenraum bleiben. Ich trainiere in der Regel mit, Elia übernimmt die Trainingsleitung und so verbringen wir anderthalb Stunden kickend in der Sonne. Esther und Linda machen in der Zeit manchmal Sport mit den Kindern, die keine Lust auf Fussball haben.

So sind wir jetzt also schon 3 Monate hier, ¼ der Zeit, es vergeht alles schneller als ich glauben kann. Ich fühle mich mittlerweile wirklich so als wäre ich echt hier angekommen. Wir sind jetzt in beiden Projekten eingearbeitet, an der Tumaini natürlich mehr als an der Mseto, aber das kommt auch noch, da bin ich mir sicher. Ich hätte es glaube ich besser gefunden nur 1 Hauptprojekt zu haben (so hat man manchmal das Gefühl keins so richtig zu machen), aber auch so wie es jetzt ist, hat es Vorteile, wir haben die Möglichkeit zwei tolle Projekte kennenzulernen. Neben Tumaini und Mseto sind nachwievor die zwei Strassenjungs, ein paar mal war ich bei Lukas und Valentins Projekt vorbeischauen und in der restlichen Zeit waschen wir Unterhosen, Kochen, ich spiele weiterhin Basketball oder wir erkunden mit dem Piki die Umgebung. Und in 4 Wochen sind schon wieder Ferien, dem Plan nach geht es für uns erst nach Ruanda, Weihnachten in Bukoba und dann samt Zwischenstopps auf Hin- und Rückweg nach Zanzibar Silvester feiern.

Bis bald.

 

Beben, Urlaub, Fußball

Die letzten Wochen waren eine Mischung aus turbulent und entspannt. Vor drei Wochen hatten wir einen anstrengenden aber spannenden Sprachkurs, wir waren beim Frauenfussball-Länderspiel der tansanischen Nationalmannschaft und mit der Zeit sind auch noch ein paar andere deutsche Freiwillige in Bukoba eingetrudelt. Die meisten davon kennen wir jetzt, ist eine nette Truppe. Und Tansania hat Burundi 3:0 vom Feld gejagt, war schön anzusehen, eine nette Atmosphäre im Kaitaba, dem Fussballstadion in Bukoba. Und unser Swahili ist jetzt besser, wenn auch noch weit entfernt von gut oder sogar fließend.

Pünktlich zum Ferienbeginn hatten wir dann Erdbeben, 5,7, das stärkste dass es in der Region je gab. Bukoba war 40 Kilometer vom Epizentrum entfernt, und die Erde hat ordentlich gewackelt. Wir waren glücklicherweise gerade unter freiem Himmel, und unser Haus ist heil davon gekommen, aber viele in Bukoba hatten dieses Glück nicht. Häuser sind eingestürzt und haben Menschen in den Tod gerissen, es gab über ein Dutzend Tote, mehr als 200 Häuser sind allein in Bukoba kaputt. Größere Nachbeben gab es zum Glück keine und auch meine Schule ist glimpflich davon gekommen. Die nächsten Tage waren noch ein wenig gespannt, weil Nachbeben erwartet wurden, aber langsam hat sich dann auch alles wieder normalisiert. Alle Schäden sind aber noch nicht beseitigt, das Beben ist immer noch hier und da Gesprächsthema.

In der darauffolgenden Woche haben wir kleine Ausflüge in und um Bukoba gemacht, sind auf einen kleinen Hügel gestiegen und einige Tage später zu der kleinen Insel Msila direkt vor der Küste Bukobas gefahren und haben uns dort ein wenig umgeguckt.

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Msila von hinten

Dann haben, eine Woche später als bei Esther und mir auch bei Lukas und Valentin die Ferien angefangen und wir haben uns in unseren ersten Urlaub gestürzt, sind samstags früh in Richtung Rubondo Island aufgebrochen, einem kleinen Nationalpark auf einer Insel im Victoria-See. Wir haben eine Walking-Safari gemacht und eine mit Auto, haben Buschböcke, Wasserantilopen, Krokodile, Flusspferde und Meerkatzen gesehen, leider aber keine Giraffen oder Elefanten, die vor einigen Jahrzehnten auf Rubondo angesiedelt wurden. Abends gab es traumhaften, frisch gefangenen Fisch und wir hatten alles in allem sehr schöne 2,5 Tage.

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Flusspferde auf Rubondo

Am morgen des dritten Tages sind wir weitergezogen nach Mwanza und sind nach einer leicht stressigen, aber zumindest erfolgreichen Reise am späten Nachmittag angekommen. Wir sind wieder zwei Nächte geblieben, haben uns die Stadt ein wenig angeguckt, Khamis Cousin besucht, das vielfältigere Essen genossen und waren kurz vor

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Mwanza

Abreise in der Shopping Mall um uns mit Shampoo und Müsli einzudecken.

Nach 10 Stunden Rückreise per Bus waren wir am nächsten Tag wieder in Bukoba und es hat sich richtig angefühlt wie nach Hause kommen. Wir haben noch ein paar Tage die Ferien genossen, bevor dann am Montag die Schule wieder angefangen hat. Wir haben die Woche gearbeitet und waren dann Samstags mit Lukas und Valentins Fußballteam in einem Dorf nahe der ugandischen Grenze für ein Match gegen das dortige Schulteam. 1:1 hieß es am Ende. Am nächsten Morgen/Nachmittag war dann noch Kochen mit ebenjenem Fussballteam angesagt, ein Hähnchen wurde geschlachtet, angerichtet und mit Pilau serviert.

Dann war wieder Montag, und die Arbeitswoche hat wieder angefangen. Wir waren jetzt auch endlich an der Mugeza Mseto und dürfen nun morgen anfangen dort zu arbeiten.

Alltag

So vieles ist neu für mich hier in Bukoba, aber langsam, Schritt für Schritt, haben sich auch Konstanten entwickelt, Dinge die man eigentlich jeden Tag macht, Leute, die man jeden Tag sieht, Orte an denen man fast jeden Tag ist. Ich und meine Mitfreiwilligen haben jetzt so etwas wie einen Alltag. (kleiner Hinweis: Die Zeitangaben sind höchstens als grobe Richtlinien zu verstehen, oder wie einer meiner Basketball-Teamkollegen gemeint hat: „We don’t care that much about time.“)

7.20

In der Regel (unter der Woche) weckt mich mein Handy kurz vor halb 7, dann ganz langweilig Bad, Frühstück, bis jetzt zum Glück noch nicht zum Hals heraushängende im Sandwichmaker getoastete Weissbrot-Klappstulle bestrichen mit Erdnussbutter und Marmelade, oft ergänzt durch Bananenstückchen oder alternativ sündhaft süßem Honig.

7.45

Entlang unserer Straße laufen Esther und ich dann in Richtung Piki-Fahrer, die uns immer schon entgegekommen und mittlerweile auch mit Namen grüßen. Für 3000, bei guter Verhandlung auch mal nur 2000 Schilling lassen wir uns dann nach Kyakaylabwa kutschieren, zu unserem Projekt, der Tumaini Primary School.

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8.00

Bis jetzt arbeiten wir nämlich noch nicht an der Mugeza Mseto, müssen noch auf die tansanische Verwaltung warten, ob und ab wann wir dort antanzen dürfen.
Tumaini ist ein Strassenkinderprojekt und besteht aus der Schule, an der die Kinder ihren Vormittag verbringen und aus dem Center, wo viele der Kinder schlafen bzw. Nachmittags ihren Aufgaben nachgehen. Schweinestall putzen, Wasser holen, solche Sachen. Ziel des Programms ist es, erst einmal die Kinder von der Straße zu holen und, wenn möglich nach einer Weile zu ihren Familien zurückzubringen und auch weiter ein Auge auf sie zu haben.
Esther und ich unterrichten nur in einem Klassenraum, in dem allerdings 3 Klassen sitzen. Nämlich Klasse 2, 3 und 4, bestehend aus Kindern, die in den normalen Klassen Schwierigkeiten hatten und wieder an ebendiese herangeführt werden

sollen. Die Klassen werden abwechselnd unterrichtet, in erster Linie von Andrew und Elia, unseren beiden Lehrerkollegen, in Geografie, Kiswahili, Geschichte, Staatsbürgerkunde, Wissenschaft und Technik, dazwischen geben Esther und ich Mathe, bald wahrscheinlich Englisch und Freitags Sport. Die Kinder haben in Mathe teilweise komplett verschiedene Level, in Klasse zwei reicht es von Schwierigkeiten bei 1+1 bis Multiplikation im 3-stelligen Bereich. Wir geben Aufgaben, die Kinder rechnen sie mehr oder weniger selbstständig, wir setzen Häkchen, oder eben nicht. Wenn Andrew und Elia die anderen Klassen unterrichten, wird still gerechnet oder gespielt und rumgealbert.

10.20

Um kurz vor halb 11 ist dann Chai-Time, wir setzen uns zusammen mit Andrew und Elia ins Lehrerzimmer, trinken mittlerweile von mir heißgeliebten süßen Tee und essen Mandazi. Im Anschluss dann zurück ins Klassenzimmer, der Unterricht geht weiter.

13.00

Spätestens um 1 ist dann Schulschluss, wir fahren zum Markt, treffen uns vielleicht an Khamis‘ brandneuem Gewürzladen, schnacken kurz, warten auf Lukas und Valentin und gehen dann zu Mama Shakila zum Mittagessen.

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Das Essen hier ist super lecker und preiwert, aber die Gerichte lassen sich an einer Hand abzählen. Es gibt als Basis entweder wali/Reis, pilao/gewürzter Reis, ugali/Maisbrei, oder matoke/Bananenbrei, dazu nyama/Rindfleisch, kucku/Hühnchen, frischen samaki/Fisch und an besonders tollen Tagen auch gerösteten. Wenn man mal keine Lust auf Reis hat, kann man auch kurz um die Ecke gehen und sich Samosa und Chapati holen. Zum Essen gibt es ausserdem immer himmlischen Juice. Nach dem Essen kann dann verschiedenes passieren. Es kann nach Hause gehen, einen Mittagsschlaf machen und ein bisschen Lesen. Es kann auf den Markt gehen, Obst kaufen, Wasser kaufen. Es kann sein, dass irgendetwas anderes erledigt werden muss, Bank, irgendeine Office. Es kann in den Center gehen, Sport machen mit den Kids, mit denen man Vormittags in der Schule gesessen hatte.

18.00

Abends geht es dann für mich meistens auf den Basketballplatz, ein bisschen trainieren. Alternativ zu zwei Ex-Strassenjungs, mit denen auch unsere Vorfreiwilligen viel zu tun hatten. Auf dem Basketballplatz wird Basketball gespielt, bei den Jungs wird abgehangen, Kommunikation auf Swahili versucht. Die zwei wohnen in einem Raum in Migera, wir leisten ihnen relativ häufig Gesellschaft, manchmal stehen sie bei uns vor der Tür. Wir gucken ihnen beim Fußballspielen zu, Lukas und Valentin machen immer Mittwochs und Freitags Training am Strand. Esther war schon mit einem der Jungs beim Arzt, wir haben schon eine Tanzstunde bekommen, waren zusammen am Strand. Und wir lernen immer ein bisschen Swahili. Nach Migera oder Basketball treffen wir uns dann alle wieder entweder in der Stadt oder in Nyamkazi, zu Hause, es gibt Piki-Fahrstunde oder/und es wird Essen aufgetrieben, meistens Chipsi-Maiai mit Mishkaki in Kashai, Kartofellecken mit Ei und Fleischstückchen.

22.30

Dann ist Feierabend, es wird vielleicht Karten gespielt oder einfach im Wohnzimmer gegammelt. Gegen 23 Uhr geht es dann ins Bett.

Ein tansanisches Fest der Liebe

Nichtmal 2 Wochen hier, und schon waren wir zu einer Hochzeit eingeladen. Und zwar zum vollen Programm. Donnerstag Abend Vorheiratsfeier mit Essen, Disco samt Tanzkreis und abgehenden ehrwürdigen Omas, Freitag Nachmittag dann Kirche und abends große Feier.

Die Vorheiratsfeier ist durch den vorangegangenen Satz eigentlich ausreichend beschrieben, auch die Kirche hatte das zu bieten, was man eben erwartet. Das Brautpaar steht vorne, unterschreibt Dinge, lässt sich segnen, schiebt sich jeweils den Ring über den Finger. Der Kirchenchor singt dazu über lustigen immergleichen Playback-Drums, echt ganz schön, so dass man sich fragt, was für eine Daseinsberechtigung die Playback-Drums eigentlich haben. Und wirklich mehr passiert nicht, keine euphorischen Massentanzszenen, sondern Gruppenfoto vor der Kirche, dann Schluss.

Die Hochzeitsfeier dann lief allerdings schon ein wenig anders ab. Erstmal der Eintrittspreis. Wir haben für zwei Personen 50000 Tansania-Schilling bezahlt, grob umgerechnet ca. 25 Euro. Je mehr Leute also kommen, desto größer kann die Feier werden und da eine große Feier mit vielen Leuten eine Art Statussymbol zu sein scheint, wird folgerichtig gefühlt halb Bukoba eingeladen.

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Wir plus Bräutigam

Lokalität war das Lina’s, einer der 3 Nachtclubs Bukobas, aber nicht wie erst vermutet innen, sondern mehr oder weniger unter freiem Himmel. Geregnet hat es glücklicherweise nicht. Dann erstmal 4 Stunden Programm. Vorstellung der Familie, gemeinsames Tanzen auf der Bühne, generell immer Tanzen, auf der Bühne und im „Zuschauerraum“, zu kreischend lauter DJ-Musik. Ein Moderater moderierte, eine Art Comedian erzählte was, ein Gitarrist/Sänger, tat was Gitarristen/ Sänger halt tun. Glückwunschrunde, alle tanzten nach vorne schüttelten dem Brautpaar die Hand. Feierliche Sektflaschen-Öffnung. Moderne Tanzperformance. Traditionelle Tanzperformance. Und wie die alle Tanzen können. Später dann Geschenkübergabe, der ganze Saal tanzte zum zweiten Mal nach vorne, übergab Geschenke, setzte sich wieder. An Tische vollgestopft mit Getränken. Jeder durfte am Anfang einmal Getränke bestellen, bestellte man Bier, bekam man 5, bestellte man Soda, bekam man 10. Die Musik war schmerzhaft laut, aber alles in allem war die Atmosphäre gelöst und fröhlich, wie man es sich auf einer Hochzeit eben wünscht. Das wir Freiwilligen das Ganze irgendwann nur noch halb genießen konnten, lag an einem Anfängerfehler. In der Erwartung um 8 etwas zu Essen zu bekommen hatten wir uns das Abendessen gespart, als wir dann um halb 1 vor einer ellenlangen Essensschlange standen hatten wir entsprechenden Heisshunger. Der Zeitpunkt war im Nachhinein durchaus nachvollziehbar, wenn die Hälfte der Hochzeitsgäste gar nicht so viel mit dem Brautpaar zu tun hat, dann läuft man halt Gefahr um 8, nach dem Essen eben, einen halbleeren Saal vor sich zu haben. Gegen 1 sind wir dann jedenfalls sabbernd über unsere vollgehäuften, Teller hergefallen, denn Essen gab es zu unserer Feude wirklich viel.

Nach dem Essen war dann auch die Feier vorbei.

11 Tage Tansania

13 Tage ist es jetzt her, dass ich am Frankfurter Flughafen, begleitet von meinen Mitfreiwilligen in Tansania, sowie denen in Uganda, ins Flugzeug gestiegen bin. 13 Tage, in denen ich viel Neues gesehen, erlebt, gelernt habe.

Etappe 1: Die Reise

Als sich viele meiner Mitfreiwilligen am Frankfurter Flughafen von ihren Angehörigen, teilweise tränenreich, verabschiedet haben, hatte ich meine Abschiede schon fast 10 Stunden hinter mir. Meine Tansania-Kollegin Esther hatte mich morgens mit ihren Eltern in Dresden aufgesammelt, dementsprechend hatte ich da schon Familie und Freundin Adieu gesagt. Einen Baggage Drop und eine Sicherheitskontrolle und ein Gruppenselfie im Flugzeug später haben wir dann deutschen Boden gen Himmel verlassen. Um 6 Uhr morgens Ortszeit dann Abu Dhabi, herzlich begrüßt von 35 Grad Hitze, ein paar Stunden Wartezeit vor uns, bevor wir dann den nächsten Flieger nach Kampala nehmen würden. Passiert ist bis dahin nichts erzählenswertes, abgesehen vielleicht von einem Werbeplakat mit der Aufschrift: „Human trafficking is a serious crime.“
Gut zu wissen.
Der zweite Flug nach Kampala war dann vor allem turbulent, heil angekommen sind wir trotzdem und nach kurzen Ungereimtheiten an der Grenzkontrolle waren wir dann auch offiziell in Uganda.

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Etappe 2: Uganda

Schon die erste Taxifahrt zum Guesthouse, in dem wir eine Nacht schlafen würden, zeigte mir eine bedeutend andere Welt, als die gewohnte europäische. Da war zum einen die schiere Anzahl an Menschen am Straßenrand. Wie mir scheint, findet sowohl in Uganda, als auch in Tansania, ein Großteil des Lebens auf der Straße statt, ganz anders als in Deutschland, wo sich alles mehr um den privaten Raum dreht. Überall gibt es kleine Shops, teilweise mit lustigen Angebotskombinationen. So hat ein Laden zum Beispiel Wachhunde undd Benzin verkauft.
Da war außerdem die Tierwelt. Die Insekten waren größer, die Fliegen vielzahliger. Am Straßenrand, mitten in der Stadt, haben Kühe gegrast, mit gigantischen Hörnern, Marabus sind von Baum zu Baum geflogen, ansonsten überall Ziegen und Hühner, ergänzt durch Truthähne, die von Männern auf den Schultern wo auch immer hin transportiert wurden. Ach ja und den Ugandischen Präsidenten samt Polizeieskorte haben wir auch gesehen.
Nach kurzer Lagebesprechung im Hostel, Geldabheben und Marktbesuch für das Frühstück am kommenden Morgen sind wir dann essen gefahren. Die Fahrt alleine war ein Erlebnis, meine erste Boda- also Motorrad-Taxi-Fahrt. Der Vekehr in Kapmpala ist wirklich chaotisch und stockend, zweiteres aber nicht für die Boda-Fahrer, die sich virtuos und für mich damals leicht lebensmüde durch das Gedränge schlängeln, mit mörderischem Tempo und auch nicht halt machend vor Bürgersteig, Straßenmarkierungen oder Baustellen. Ich bin zwar zumindest auf der ersten Fahrt ein paar Tode gestorben, aber schnell zum Ziel kommt man auf jeden Fall. Und es ist billiger als Taxi.
Nach dem Essen dann zurück zum Guesthouse, wo noch ein bisschen gequatscht wurde, bevor es in die erste Mosquito-Netz-umhüllte Nacht des Jahres in Afrika ging. Am nächsten Morgen wurde dann ein königlich fruchtiges Frühstück gezaubert, mit traumhaft leckeren Maracujas, Bananen, Ananas sowie wenig aufregendem Weissbrot und Marmelade. Im Anschluss hieß es dann Abschied nehmen für uns 4 Tansania-Freiwillige plus Projekt Manager Khamisi, der extra nach Kampala gekommen war um uns abzuholen. Vor uns eine 6-8 stündige Busfahrt haben wir uns gegen Mittag auf die Socken gemacht. Ungefähr 4 Stunden Fahrt waren es dann bis zur Grenze, 4 Stunden, in denen im Bus nahezu durchgehend Betrieb war, an kurzen Stopps Snacks durchs Fenster angeboten wurden und während der Fahrt eine Art Live-Dauerwerbesendung inklusive Gesangseinlagen lief.
Dann waren wir an der Grenze und kurz danach zum ersten Mal auf tansanischem Boden.

Etappe 3: Tansania

Wie bereits erwähnt, 11 Tage bin ich jetzt in Tansania, und es ist zu viel passiert um das in einem Blogeintrag detailliert abzuhandeln. Dementsprechend habe ich vor, einige der Erlebnisse, oder wie auch immer man es jeweils nennen möchte in separaten, kompakteren Posts zu verschriftlichen.
Die ersten 4 Nächte haben wir in einem Hotel geschlafen, die jetzt ehemaligen Freiwilligen Luzie, Fabian, Timon und Lisa, waren noch da und entsprechend noch im Haus. Die ersten Tage wurden wir dann eingeführt von unseren 4 Vorgängern, die Projekte wurden besucht, Hände geschüttelt und viele nützliche Tipps weitergegeben. Wir wurden wirklich freundlich aufgenommen, waren Essen, im Club, haben am Haus Lagerfeuer gemacht. Es war beeindruckend zu sehen, wie gut unsere Vorgänger sich eingelebt, angepasst haben. Und irgendwie war es auch traurig sie am Montag dann gehen zu sehen, ein komisches Gefühl im Haus auf dem Sofa sitzend auf die Schlüsselübergabe zu warten, während sie sich von ihrem nun zweiten zu Hause verabschieden mussten. Aber später natürlich auch nicht ganz uncool, jetzt ins Haus einziehen zu können. Die folgenden Tage waren dann nochmal ähnlich den ersten, es mussten weiter Büros abgeklappert, die Projekte noch einmal offiziell besucht werden. Abends ging es dann los mit Swahililernen und Piki-Fahrstunden. Wir sind schon viel in der Stadt herumgekommen, waren in verschiedenen Lokalen essen, sind über den Markt getigert, haben haufenweise neue Leute kennengelernt, wurden schräg angeguckt, in erster Linie aber herzlich willkommen geheißen. Wir waren einmal morgens und ansonsten abends am Strand Sport machen, hatten unseren ersten Stromausfall, haben das erste mal auf unserem Gaskocher gekocht, das erste Mal unseren Müll verbrannt, hatten unser erstes Lagerfeuer.
Und wir waren auf einer Hochzeit. Dazwischen haben wir auch geschlafen. Aber all das in einem anderen Post.
Die ersten anderthalb Wochen waren aufregend, anstrengend, alles in allem schön. Langsam aber sicher komme ich in Tansania an.